Der Landkreis Görlitz leidet unter der Abwanderung von klugen Köpfen. Vor allem junge, gut qualifizierte Menschen verlassen die Region, um die Welt zu erkunden. Das ist per se nicht schlecht, doch es gelingt nicht, die Lücken zu füllen. Es mangelt an gut ausgebildeten Fachkräften und an Schulabsolventen, die bei uns ihre Ausbildung absolvieren oder ein Studium beginnen. „Die Region braucht Zuwanderung.“, bringt es aktuell Wirtschaftsforscher Joachim Ragnitz gegenüber der Sächsischen Zeitung auf den Punkt. „Sie braucht Menschen, die von anderswo kommen und Arbeitsplätze besetzen.“ Doch das Image der Region nach außen ist wenig förderlich. „Wölfe, AfD-Wähler, Braunkohletagebaue – viel mehr wissen die meisten Außenstehenden nicht.“, so Ragnitz gegenüber der SZ. Dazu kommt, dass Stammtische und Medien das Klischee pflegen, es gäbe hier nur Billiglohn, alte Menschen und hochgeklappte Bürgersteige. Es fehlt eine weit nach außen wirkende Kampagne, die den Landkreis auf sympathische Weise bewirbt. Und es braucht eine abgestimmte Willkommensstrategie für die Zielgruppe der Fachkräfte. Wer ist mein Ansprechpartner, wenn ich in den Landkreis ziehen möchte? Wer unterstützt mich bei der Arbeitssuche für meinen Partner? Wer hat Tipps zur Kinderbetreuung, zu Schulen und Vereinsleben? Wer hilft mir bei der Wohnungssuche? Abgesehen von durchaus guten Einzellösungen bleiben potenzielle Zuzügler und Rückkehrer bei diesen Fragen sich selbst überlassen.
Das soll und wird sich nun ändern. Der Landkreis Görlitz hat, zusammen mit einigen Partnern im Rahmen der Fachkräfteallianz das Projekt mit dem Arbeitstitel „GR-NEW“ gestartet. Innerhalb von zwei Jahren soll ein Problemlöser-Netzwerk für Zuzügler und Rückkehrer aufgebaut werden, um ihnen die Kontaktaufnahme auf verschiedenen Ebenen zu vereinfachen. Kommunale Verwaltungen, Arbeitsagentur, Jobcenter, Kammern, Bildungseinrichtungen, Vermieter, Vereine und Verbände sind in dieses Netzwerk eingebunden. In den Kommunen werden lokale Unterstützungs-Strukturen aufgebaut bzw. stabilisiert. So wird den Neubürgern das Einleben erleichtert und beim Kontakte knüpfen geholfen. Im Rahmen von Workshops erhalten Netzwerkpartner und Lotsen aktuelle Informationen zu den Möglichkeiten der individuellen Unterstützung der „Neuen“.
GR-NEW will keine Doppelstrukturen aufbauen, sondern das Vorhandene nutzen, lokale Initiativen und Netzwerke einbinden und natürlich neue Partner gewinnen. Jeder der hier mittun will, ist herzlich willkommen.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes.







